Glück gehabt

Ich glaube nicht an Zufälle habe ich meiner Nachbarin erzählt. Sie ist gerade in meine Mutti gestiegen und ich habe sie sofort wiedererkannt, obwohl ich sie ja nur durch die Fensterscheibe von gegenüber kannte. Noch nie hatte ich sie aus nächster Nähe gesehen. Ich sagte ihr, dass ich gleich gegenüber von ihr wohne und sie schon einige Male beobachtet habe, wie sie ihren Kaffee morgens trank oder telefonierte. Ich hatte auch schon einmal gewunken, aber sie habe nicht reagiert. Haben Sie mich noch nie wahrgenommen? Dann bedauerte ich, dass sie keine Freundin des Exhibitionismus ist, bis jetzt habe sie sich immer nur hinter der Gardine entkleidet. Sie lachte darüber. Und da ich grad in Angriffslaune war, setzte ich noch eins darauf und sagt, dass ich gern mal in mein Fenster schauen wollen würde.


Sie war wohl nicht die Hellste, denn sie verstand nicht den Hint, dass sich mich mal zum Kaffee einladen solle. Oder sie ignorierte den Hinweis gekonnt. Denn sie fragte mich nur, ob ich das vorübergehend mache oder es mein Beruf wäre. Was denn? Vom Taxifahren lebe ich. Sie war überrascht, da ich nicht wie ein Taxifahrer aussah. Dann waren wir auch schon am Ziel und ich habe mich geärgert nicht einen längeren Weg genommen zu haben. Sie verschwand einfach so und ich blieb sitzen hinter dem Steuer meine Mutter ohne Einladung oder Telefonnummer von ihr.


Ich machte also meiner Mutter richtig Dampf unter der Haube und für ein paar Runden. Lass die Leute doch pfeifen oder den Arm verrenken, ich hatte keine auf Kundschaft, bin einfach weiter gefahren bis ich abends wieder in meiner Bude saß ohne zu wissen, was ich den restlichen Nachmittag und Abend gemacht habe.

30.3.11 11:27, kommentieren

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Das Schloss im Brunnen

Das Wochenende mit meine Tochter war schön. Nach den zwei Tagen habe ich die Hoffnung, dass wir uns nicht entfremden. Auch wenn wir uns nur alle zwei Wochen sehen, für mich ist es jedesmal wie Weihnachten. Ich hole sie mit Mutti ab und dann kutschiere ich sie erstmal durch Bayreuth in die beste Eisdiele, die ich kenne. Ein dicker Schokobecher ist bereits Tradition, den gibt jedes Mal. Wie viel die Kleine verdrücken kann. Diese Soße auf dem Eis ist der Hammer, aber auch voll fettig, lecker, dass dir die Ohren schlackern. Den Becher leckt sie bis auf den letzten Klecks aus. Aber irgendwann kommt sie in die Pubertät, findet Jungs toll und sich zu dick. Dann wird diese schöne Tradition wohl ein Ende haben. Aber bis dahin freut sie sich riesig über den Becher. Und dann bin ich mit ihr in das Dorf gefahren. Das wo ich die Nacht war. Ich hatte davon erzählt.


Dort gibt es einen Brunnen in einem Garten, der hat ganz klares Wasser und am Grund schillert es, wie als wenn ein goldenes Schloss dort untern untergegangen wäre und sich in den Dächern der Türmchen das Licht spiegelt. Meine Tochter war begeistert von der Geschichte, sie starrt in die Tiefe und versucht genau zu erkennen, wie das Schloss aussah. Wir trieben uns in dem Garten herum und schnupperten an den ersten Frühblühern. Eine Frau begrüßte uns, lud uns zum Kaffee ein und meine Tochter fragte mich, ob ich sie kenne. Nö, sagte ich. Aber die Frau schien mich zu kennen, denn sie sprach mich mit meinem Vornahmen an. Wie schon die beiden Typen, die mich gesucht haben, wußte sie mehr über mich, als ich über sie. Mir war es gleich.

1 Kommentar 16.3.11 17:25, kommentieren

Kaffee bei der Nachbarin

Als ich grad von meiner Schicht kam, war es schon ziemlich spät. Hab ganz Bayreuth von einen Ort zum anderen kutschiert. Warum die sich kein Fahrrad kaufen, oder bin ich blöde. Da fahren so viele Buse vor meiner Nase über die Straßen, öffentliche Verkehrsmittel, warum werden die denn nicht benutzt, alle wollen sie mit meiner Mutti fahren. Kann ich ja teilweise verstehen, ist die bequemste Reise, die man bekommen kann, trotzdem sollen die mich nicht nerven.

Ziemlich kaputt also rein ins Haus und kurz in den Briefkasten geschaut. Da war mal wieder nichts drin. Doch als ich meinen Briefkasten zumachte, stand neben mir meine Nachbarin von gegenüber, die gerade ihren aufschloss. Hey, sagte ich voll erfreut. Sie grüßte verstört. Ich winke mir meinen Arm fast ab, und du übersiehst es einfach so mit einem Augenaufschlag, sagte ich ihr. Sie wusste nicht ganz, was ich meine. Doch ich habe es ihr erklärt. Dass ich gern mal aus ihrem Fenster schauen würde wollen. Rein in mein eigenes Fenster. Sie lachte darüber und sagte, sie lade mich mal zum Kaffee ein. Toll, dachte ich mir. Als ich in meiner Wohnung stand, viel mir ein, dass ich vergessen habe, wann zu fragen. Wann wollte sie mich denn mal einladen. Ich stand also am Fenster und winkte rüber, aber meine Nachbarin hatte die Gardinen zugezogen. Jetzt hoffe ich, dass sie mal winkt, und zwar mich herüber auf eine Tasse Kaffee.

Sollte Blumen auf Lager habe, damit ich ihr eine mit rüber nehmen kann. Blumen passen gut zum Kaffee, gelbe Blumen. So etwas wie Osterglocken oder so. Hoffe aber nicht, noch bis Ostern auf den Kaffee warten zu müssen.

22.2.11 12:44, kommentieren

Besuch aus dem Dorf

Gestern standen zwei verrückte Typen vor meiner Wohnungstür. Latzhose, Holzfällerflanellhemd unter den Trägern, einen Strohhut auf dem Kopf und einen Halm mit dicken fetten Körnern am Ende im Mund. Der eine war dick und groß, der andere war dünn und klein. Alt und jung, Vater und Sohn. Christian, sagten sie. Ja? Sie waren aus dem Dorf, in dem ich nach dem Gerichtsbeschluss gelandet bin. Ich konnte mich aber an sie nicht erinnern, war wohl letztendlich zu betrunken gewesen, konnte mich kaum noch an etwas an dem Abend erinnern. Es war sein Sohn, den man wiedergefunden hatte, sagte der große Dicke. Dürfen wir hereinkommen, fragte der junge Dünne. Äh, irgendwie war mir das unangenehm, ich konnte mich an nichts erinnern, was das bestätigen könnte. Hast du Bier, fragte der junge Dicke. Ich holte zwei Flaschen aus dem Kühlschrank, macht mir und dem Alten eine auf. Der Vater schaute mich verstört an und wies auf seinen Sohn. Der ist doch noch ein wenig zu jung für Bier, oder? Aber der junge Dünne nahm die Flasche seines Vater und leerte sie halb mit einem Zug. Ich holte also noch ein Bier aus dem Kühlschrank. Was führt Sie zu mir?Wir wollten dich nur besuchen kommen, nachdem wir so gute Freunde letztens geworden sind. Ich verschwieg, dass ich mich an nichts erinnern konnte. Sie erzählten mir, wie es allen anderen im Dorf gehe, an keinen dieser Namen konnte ich mich aber erinnern. Ich nickte nur und verschwieg es. Nach dem sie das Bier geleert hatten, gingen sie wieder. Das ganze war so komisch, dass ich beschlossen habe, noch einmal in das Dorf zu fahren, um auch zu erfahren, was dort eigentlich passiert ist.

4.2.11 14:46, kommentieren

Verloren und Wiederfinden

Der Richter ist sich sicher. Heute im Gericht wurde das Urteil gefällt. Das Sorgerecht für meine Tochter bekommt meine EXXX, bei der Frau mache ich drei Kreuze. Was fällt so einem Richter ein, als wenn der wisse, was gut für die Kleine ist. Natürlich werde ich Revision einlegen, aber wenn ich nicht einen anderen Job habe, werde ich wohl keine Chancen haben. In den Film zurück, ist für mich Aussichtslos, ich bin ausgebrannt, will nicht mehr das kreativen Genie mimen, das Naturtalent, das den Zuschauer dort abholt, wo er sich vor die Leinwand hingehockt hat. Und eigentlich will er doch nur eine Spiegelung seiner verkümmerten Welt sehen, in der er der Held ist, und der Status quo die beste Ordnung ist, die sein enges Hirn sich vorstellen kann.
Feder Meine Tochter habe ich einen Kuss an die Wange gegeben und ihr gesagt, dass ich sie über alles liebe, dass muss erstmal reichen bis zum nächsten Wiedersehen. Alle zwei Wochen sagte der Richter. Dann habe ich mich in das Leder meiner Mutter gedrückt und aufs Gas gedrückt. Das Licht auf dem Dach angeknipst und die reckenden Hand ignoriert, die sich in meinem Rückspiegel in den Stinkefinger verwandelten. Einfach mal fahren, die Straßen rauf und runter und dann raus aus der Stadt Richtung München. Es wurde dunkel, und das Scheinwerferlicht, das sich im Regen spiegelte, wurde zurückgeworfen. Wie ich so allein mit Mutti über die Strassen rauschte, sah ich ein Licht, das über den Acker schwebte, ich bog in einen Feldweg ein und folgte ihm. Es lockte mich in ein kleines Dorf, dort schwebte eine Hubschrauber über einer abgebrochenen Hütte. In der Hütte waren Leute, die feierten, sie feierten, weil sie jemanden wiedergefunden hatten, wen wußte ich nicht.

1 Kommentar 21.1.11 19:55, kommentieren

Nachbarin von gegenüber

Hallo Leute, mir gegenüber ist so eine bezauberte Frau ein gezogen, die sitzt den ganzen Tag an ihrem Schreibtisch, den ich ganz gut einsehen kann, da ich ein Stockwerk höher wohne als sie. Sie sitzt nun da, bewegungslos und starrt auf ihren Laptop, tippt hin und wieder ein paar Tasten und starrt, starr starrt sie mit starren Fingern auf den Star auf ihrem Monitor. Natürlich hockt da keine, aber geschrieben hat sie es bestimmt: Star. Popstar. What ever. Ich hocke also auch vor meinem Fenster und starr rüber. Kann mich gar nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren , so wie sie ihren Nacken mir zudreht, ihr Haar darüber fällt. Dann dreht sie sich um, und ich winke wie blöde. Hallo! Sie ignoriert meinen Kontakt, schaut über mich hinweg und verzieht sich dann in ihre Küche. Da kann ich sie auch sehen, wie sie sich Tee aus einer Kanne nimmt. Okay, ist mir recht. Spielen wir, ich sehen nichts, was du nicht siehst. Doch ihren Nacken sehe ich doch, sobald sie sich umgedreht hat, starre ich ihr wieder ein Loch in den Rücken, erst durch ihren roten Pullover hindurch auf ihre nackte Haut, dann bis auf ihre Brust.

Ich muss sie unten am Hauseingang mal abfangen. Vielleicht spiegeln meine Fenster zu sehr, dass sie das Winken nicht sehen kann. Unten kann ich mich ja mal auf die Treppe setzen, warten bis sie kommt und dann fragen, ob sie ihre Sachen hochgetragen bekommen möchte. Hilfsbereitschaft kann niemand abschlagen. Würde zu gern mal meine Wohnung von ihrem Fenster aus sehen. Sehen wie ich da hinter dem Glas hocke und starre, starr sitze und aus dem Fenster starre.

1 Kommentar 6.1.11 15:55, kommentieren

Das Sorgerecht

Niemals heiraten, schreibt euch das auf den Tacho. Heute hatte ich wieder einen Gerichtstermin. Schon seit einem halben Jahr streiten sich meine Frau und ich um unsere Tochter. So verrückt, wie sich das anhört, so irre ist es auch. Wir streiten uns, um unsere Tochter. Als wenn sie eine Puppe wären, an der man ziehen könnte, bis der Kopf ab ist.

Sie hat heute wieder geweint. Sehe sie fast nur noch weinen. Sandra sagt, dass es an mir liegt, sie weint wegen mir. Das glaub ich ihr nicht. So ein Gerichtstermin schlaucht. Sie macht mich völlig fertig, nicht nur vor dem Richter, auch hinterher stichelt sich rum, sodass ich nur noch zur Mutti rette. Ihr wisst meinen Benz.

Als wir heirateten haben wir uns gut verstanden, aber ist das nicht immer so. Ich habe sie wirklich geliebt. Sie himmelte mich an, ich war ihr Regisseur und sie meine Schauspielerin. Das hat sich schnell geändert, als mein Film floppte.

Wie soll ich als Taxi-Fahrer nur eine Tochter erziehen, fragte mich der Richter. "Sie sind den ganzen Tag unterwegs. Wer passt da auf die Kleine auf." Meine Frau hat eine Vertrag in einem Ensemble bekommen. Sie hat ihr geregeltes Einkommen. Bei den Proben am Abend, bucht sie einen Babysitter, den Rest des Tages spielt die Kleine ihren Spielpartner, mit ihr lernt sie ihre Dialoge. Funktioniert prima, sie lernte die Rolle und die Kleine hat ihren Spaß. Man ihm Taxi könnte sie auch die Gäste unterhalten. Sie könnte ja den Werther aufsagen, schließlich müsste sie den Text schon auswendig können.

Der Richter war von der Idee nicht überzeugt. Ich werde sie verlieren.

1 Kommentar 22.12.10 12:57, kommentieren